Küche für Sehbehinderte einrichten – So können Sie auch weiterhin selbstständig kochen

Wer nicht oder nicht mehr richtig sehen kann, muss nicht zwangsläufig auf Hilfe angewiesen sein. Mit der richtigen Planung und Umsetzung können Sie auch weiterhin allein in der Küche kochen.

Küche für Sehbehinderte einrichten

Wir wissen alle, dass das Alter so einige Wehwehchen mit sich bringt. Unter anderem manchmal auch schwere Augenerkrankungen. Stichwort diabetische Retinopathie, Makuladegeneration, grauer und grüner Star. All diese Krankheiten haben ihre Tücken und können dafür sorgen, dass die Sehkraft enorm schwindet oder man sogar komplett erblindet. Ein Albtraum! Das möchte man sich auch gar nicht vorstellen müssen.

Wer plötzlich unter einer Augenerkrankung mit starken Sehverlust leidet, muss erst lernen damit umzugehen. Viele verfallen sogar in ein tiefes Loch und geben sich auf. Wie soll man schließlich den Alltag bewältigen, wenn man nicht richtig sehen kann? Ich kann Ihnen da die Angst nehmen, es gibt schließlich genügend Helferlein und Einrichtungslösungen, die sogar ein selbstständiges Leben mit wenig Sehvermögen möglich machen. Selbst kochen können Sie dank dieser Hilfsmittel sogar alleine. Sie müssen nur ein wenig in der Küche umändern.

So können Sie gefahrlos weiterhin alleine kochen und backen

❖ Hindernisse in Kopfhöhe polstern:

Wenn Sie sich eine neue Küche zulegen möchten, dann planen Sie keine Hindernisse in Kopfhöhe. Möchten Sie Ihre alte Küche behalten, dann polstern Sie Ecken und Kanten von Dunstabzugshaube, Regalen und Schränken ab. Alternativ dazu können Sie die Kanten vom Küchentisch, von der Arbeitsplatte sowie von Schränken und Regalen auch so gestalten, dass sie sich farblich von der Umgebung absetzen.

❖ Schranktüren sollten sich nach oben hin öffnen:

Wer von uns ist nicht schon einmal gegen eine Schranktür in der Küche gestoßen. Um das zu verhindern, sollten Sie am besten auf Schranktüren setzen, die nach oben hochklappen. Gut sind aber auch Schiebetüren und Rollläden, die sich horizontal oder vertikal öffnen lassen.

❖ Kontraste schaffen:

Nicht nur Ecken und Kanten sollten farblich auffällig sein. Auch Mülleimer, Schranktüren, Schubladen usw. sollten einen Kontrast zur Umgebung bilden. Außerdem erleichtert Ihnen die unterschiedliche farbliche Kennzeichnung das Suchen von bestimmten Sachen.

Griffe müssen sich darauf auch wieder farblich absetzen. Sie können diese z.B. mit einem glitzernden Material bekleben. Dann wissen Sie gleich, dass es sich dabei um die Griffe handelt.

Wer stark blendeempfindlich ist, der sollte beim Bodenbelag, den Küchenmöbeln und dem Geschirr am besten auf gedeckte Farben setzen. Weißes Geschirr auf einem weißen Tisch wäre z.B. ungünstig.

❖ Arbeitsplatte mit Schwallrand oder Alu-Leiste bevorzugen:

Manchmal bekommt man es gar nicht mit, dass auf der Arbeitsplatte etwas umgekippt ist. Spätestens, wenn man die Tropfen auf den Boden platschen hört, wird das Malheur entdeckt. Um das zu verhindern, sollten Sie auf eine Arbeitsplatte mit Schwallrand oder Alu-Leiste setzen. Sie verhindern, dass Flüssigkeiten von der Arbeitsplatte fließen.

❖ den richtigen Herd auswählen:

Wer nicht richtig gucken kann, der sollte am besten keinen Herd mit offener Flamme in der Küche stehen haben. Besser ist ein Elektroherd mit klar abgegrenzten Kochfeldern, damit Sie den Kochtopf darauf perfekt platzieren können. Wer einen Herd mit Ceranfeld besitzt, sollte dieses am besten mit einem erhabenen Klebestreifen umranden. Dieser dient als Orientierungshilfe. Merken Sie den Streifen, wissen Sie, dass Sie die Herdplatten gefunden haben.

Der Herd sollte zudem keine Sensortasten besitzen. Diese auf der Herdplatte zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Viel besser geeignet sind einrastbare Schalter.

Der Herd und am besten auch andere elektrische Geräte sollten über akustische Signale verfügen, um beispielsweise das Ende der Garzeit anzuzeigen oder zu warnen, wenn das Gerät angelassen wurde.

❖ die richtige Einbauhöhe für Backöfen:

Der Backofen sollte am besten in einer bequemen Sicht- und Arbeitshöhe im Hochschrank platziert werden. Die Unterkante des Backofens sollte also am besten an die Oberkante der Arbeitsfläche anschließen. Das ist in einer seniorengerechten Küche eh ein Muss. Denn besonders das Bücken ist für Best Ager oftmals eine Qual. Deswegen sollten Sie in zunehmendem Alter auch über eine seniorengerechte Küche nachdenken. Informationen darüber, wie so eine Küche aussehen kann, erhalten Sie unter www.kueche-co.de.

❖ richtig sortieren und ordnen:

Wir wissen alle wie nervig es ist etwas zu suchen und im Endeffekt doch nicht zu finden. Dann stellen Sie sich mal vor wie es sehbehinderten Menschen ergehen muss. Entwickeln Sie für sich deshalb ein System. Geben Sie z.B. Gewürze in kleine runde Dosen, Backzutaten in kleine eckige Dosen oder so ähnlich. Wenn Sie dann auch noch unterschiedlich farbige Dosen oder Dosen mit unterschiedlichen Oberflächen wählen, können Sie noch weiter gruppieren.

❖ alles gut kennzeichnen:

Wer die Brailleschrift (Blindenschrift) lesen kann, der kann Dosen und andere Gegenstände z.B. mit Konturenpaste beschriften. Sie können aber auch mit den Händen zu ertastende Buchstaben aufkleben. Diese gibt es oft in gut sortierten Schreibwarenläden zu kaufen. Es gibt aber auch Präge-Beschriftungsgeräte, die Buchstaben auf ein Schriftband prägen (gesehen auf www.conrad.de). So ersparen Sie sich lange Bastelarbeiten.

Fazit:

Wie Sie sehen, können Sie auch mit wenig Sehvermögen selbstständig kochen und backen. Sie müssen Ihre Küche dafür nur richtig „umrüsten“. Dann können Sie auch weiterhin die leckersten Gerichte zubereiten. Auf www.dbsv.org habe ich noch ein paar zusätzliche Tipps gefunden, die Ihnen das Kochen und Backen erleichtern.

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