Pflegebedürftigkeit absichern: So fallen Sie nicht ins Finanzloch

Demenz, Schlaganfall, Herzinfarkt – innerhalb von Sekunden kann jeder zum Pflegefall werden. Damit Pflegebedürftigkeit bezahlbar bleibt, heißt es rechtzeitig Vorsorge treffen.

Pflegebedürftigkeit VorsorgeWenn es darum geht, unser Hab und Gut abzusichern, sind wir Deutschen wirklich Spitzenreiter. Der Fernseher wird versichert, der Hund bekommt seine eigene Marke, das neue Smartphone eine Garantie-Zusatzversicherung und das Auto den besten Schutz überhaupt. An uns selbst denken wir leider viel zu wenig. Ich gebe Ihnen Recht, wenn Sie sagen, das Leben kann man nicht versichern. Aber wir können rechtzeitig etwas dafür tun, dass es im Alter noch lebenswert und vor allem bezahlbar ist.

Deutlich über 2 Millionen Pflegefälle gibt es derzeit in Deutschland, Tendenz steigend. Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl bis zum Jahr 2050 auf das Doppelte erhöhen wird. Ob wir selbst einmal auf die Hilfe fremder Personen angewiesen sein werden, liegt nicht in unserer Hand, ob wir uns diese Pflege überhaupt leisten können, schon.

Warum Vorsorge so wichtig ist

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt einen Teil der Kosten ab, die im Pflegefall auf uns zu kommen. Dass dieser Betrag aber bei weitem nicht ausreichend ist, dürfte dank immer wiederkehrender Informationen in den Medien, bekannt sein. Otto Normalbürger muss also selbst etwas tun, wenn er im Pflegefall finanziell abgesichert sein will. Erst wer betroffen ist, weiß mitunter, was ein Platz im Pflegeheim kostet und vor allem ob man sich diesen leisten kann. Das Internet hilft an dieser Stelle weiter:

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Pflegebedürftigkeit finanziell abdecken
2 Möglichkeiten der Vorsorge

Neben der emotionalen Belastung, die auf den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen zukommt, ist es vor allem der finanzielle Ballast, der den kompletten bisherigen Alltag durcheinander bringt. Ohne entsprechende rechtzeitige Vorsorge wird man die Pflegekosten nicht stemmen können.

1. Pflegetagegeldversicherung

PflegetagegeldversicherungMit dem Ersten und Zweiten Pflegestärkungsgesetz haben sich zwar die Pflegeleistungen an sich verbessert, die hohen Kosten bleiben aber weiterhin bestehen.  Eine Möglichkeit diese Versorgungslücke auszugleichen, ist eine Pflegetagegeldversicherung. Diese Zusatzversicherung gibt es seit 2013, sie kann staatlich gefördert werden und ist in dieser Form auch unter dem Namen „Pflege-Bahr“, nach dem ehemaligen Gesundheitsminister Daniel Bahr, bekannt.

Wie es der Name vermuten lässt, erhalten der Pflegebedürftige oder seine Angehörigen einen festen Betrag pro Tag. Je früher die Pflegetagegeldversicherung abgeschlossen wird, desto geringer der zu zahlende monatliche Beitrag. Der auszahlbare feste Tagessatz wird zwar vertraglich festgelegt, ist aber auch abhängig von der gewährten Pflegestufe. Den Höchstsatz gibt es fast immer erst in Pflegestufe III. Angeboten wird die Pflegetagegeldversicherung in den meisten Fällen von privaten Krankenversicherungen. Vor Vertragsabschluss sollte man Augenmerk auf die unterschiedlichen Tarifmodelle legen.

statischer Tarif:
Vereinbart wird der Tagessatz, der im Pflegefall bei Pflegestufe III gezahlt werden soll. In den Stufen 0 bis II wird nur ein prozentualer Anteil ausbezahlt.
flexibler Tarif:
Der Versicherte legt selbst fest, welchen Tagesgeldsatz er in welcher Pflegestufe bekommen möchte. Allerdings darf der Prozentsatz in der jeweils darüber liegenden Pflegestufe nie geringer sein.


Der Vorteil bei dieser Zusatzversicherung ist, dass der Pflegebedürftige oder seine pflegenden Angehörigen selbst entscheiden können, wofür das Geld verwendet wird. Es müssen keine Belege erbracht werden. Allerdings erhöht sich der einmal festgelegte Tagessatz nicht, egal ob die Kosten steigen.

Achtung: Wer den monatlichen Beitrag nicht regelmäßig zahlt, oder vorzeitig kündigt, verliert jeglichen Anspruch auf Auszahlung.

➩ Staatlich geförderte Pflegetagegeldversicherung (Pflege-Bahr)

Um eine staatliche Förderung zu erhalten, muss der Versicherte eine Leistung von wenigstens 600 Euro in Pflegestufe III vertraglich abschließen und mindestens zehn Euro Beitrag im Monat zahlen. Erst dann erhält er den staatlichen Zuschuss von fünf Euro monatlich. Vorteilhaft bei dieser Form der Zusatzversicherung ist, dass auch Menschen mit Vorerkrankungen versichert werden. Allerdings sind die späteren Leistungen oft nicht ausreichend, vor allem in Pflegestufe III.

2. Pflegerentenversicherung

Wie bei anderen Versicherungen auch, wird bei der Pflegerentenversicherung eine vorab vereinbarte Summe ausgezahlt. Der Versicherte zahlt seine monatlichen Beiträge und hat im Bedarfsfall zwei Auszahlungsmöglichkeiten:

  • monatliche (Pflege)Rente
  • einmalige Auszahlung der Gesamtsumme

Ob das Geld letztendlich für einen ambulanten Pflegedienst, eine Heimunterbringung oder eine Putzhilfe ausgegeben wird, bleibt dem Pflegebedürftigen überlassen. Er kann über das Geld frei verfügen. Ein weiterer Vorteil: sobald der Pflegefall eintritt, muss der Versicherte keine Beiträge mehr zahlen. Sollte es während der „Ansparphase“ einmal nicht möglich sein, den monatlichen Beitrag zu zahlen, erlischt nicht zwingend der Versicherungsschutz. Diese Option sollte bei Vertragsabschluss geklärt werden.

Um es verständlicher auszudrücken, die Pflegerentenversicherung funktioniert wie eine Art Sparbuch mit zusätzlichem Versicherungsschutz. Die Leistungen sind daher auch abhängig von den jeweiligen Überschüssen, wie auf dem Kapitalmarkt üblich.

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