Pflegekosten von der Steuer absetzen: Wann diese als außergewöhnliche Belastung gelten

Lesen Sie hier, wann Sie Pflegekosten von der Steuer absetzen können, in welcher Höhe und unter welchen Voraussetzungen.

Wer kann Pflegekosten von der Steuer absetzen?
Wer kann Pflegekosten von der Steuer absetzen?

In den nächsten Jahren wird sich die Anzahl der in Deutschland lebenden älteren Menschen deutlich erhöhen. Und somit auch die Anzahl der Pflegefälle. Viele Ältere werden von Ihren Angehörigen gepflegt oder leben in einem Pflegeheim.

Sowohl Angehörige als auch der Pflegebedürftige selbst haben die Möglichkeit, die Pflegekosten von der Steuer abzusetzen. Generell gelten diese als außergewöhnliche Belastung, doch wie sind die Voraussetzungen?

Wann sind die Pflegekosten tragbar?

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat über das Absetzen von Pflegekosten folgendes Urteil verkündet (Az.: VI R 14/10):

Die erfahrungsgemäß hohen Unterbringungs- und Pflegekosten gelten grundsätzlich dann als außergewöhnliche Belastung – wenn sie tatsächlich außergewöhnlich hoch und deshalb kaum zu tragen sind.

Reichen Ihre Rente und zusätzlich die Leistungen aus Ihrer Pflegeversicherung nicht aus, den Heimplatz zu finanzieren, sind Ihre Kinder rechtlich gesehen dazu verpflichtet, die zusätzlichen Kosten dafür zu übernehmen. Dies kommt häufig vor, da ein Platz in einem Altenheim monatlich ca. 3000 Euro oder mehr kostet. Die Pflegeversicherung zahlt maximal 1550 Euro, so dass auch zusammen mit Ihrer Rente nicht alle Kosten gedeckt sind.

Wie viel Pflegekosten sind von der Steuer absetzbar?

Der Paragraf 33 des Einkommensteuergesetzes legt fest, dass den Angehörigen je nach Gehalt und Familienstand ein bis sieben Prozent von ihrem Einkommen als Kostenanteil zumutbar sind. Alles was darüber hinausgeht, können sie als Pflegekosten von der Steuer absetzen.

Die Pflegeversicherung ist wie eine Art Teilkaskoversicherung aufgebaut, so dass ihre Leistungen für eine Heimunterbringung erfahrungsgemäß nicht ausreichen.

Die restlichen Kosten müssen Sie oder ihre Kinder übernehmen. Im BGB ist die Unterhaltsverpflichtung in gerader Linie miteinander verwandter Personen fest verankert.

Pflegekosten als Pauschbetrag von der Steuer absetzen

Die einfachste Form die Pflegekosten von der Steuer abzusetzen, ist die Geltungmachung eines Pauschbetrages.

» Pflegekosten absetzen durch den Pflegebedürftigen

Viele Pflegebedürftige leben wie gewohnt mit ihrem Partner zusammen und werden daher auch gemeinsam zur Einkommenssteuer veranlagt. Will also der Pflegebedürftige selbst die Steuerlast reduzieren, so muss er dies entsprechend nachweisen. Vorraussetzung sind

  • ein Schwerbehindertenausweis H (hilflos)
  • oder Pflegestufe III
  • Kosten (Unterkunft, Verpflegung) werden von ihm selbst getragen

Je nach Schwere der Behinderung können so bis zu 3700 Euro im Jahr geltend gemacht werden.

» Pflegekosten absetzen bei häuslicher Pflege

Für Angehörige, meist die Kinder, gilt ein Pauschbetrag von 924 Euro. Dieser kann auch dann als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden, wenn die Pflege nicht ganzjährig erfolgt, beispielsweise nur an den Wochenenden. Teilen sich Geschwister die Pflege eines Elternteils, muss auch der Pauschbetrag halbiert werden. Nutzen Sie einen ambulanten Pflegedienst können Sie 20 Prozent der Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen.

Pflegekosten von der Steuer absetzen auch ohne Pflegestufe

Ein Gerichtsurteil vom 13.10.2010 (Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 38/09) zeigt, dass es auch möglich ist, Pflegekosten ohne Pflegestufe von der Steuer abzusetzen.

» Der konkrete Fall:

Auf Anraten der Ärzte zog eine 74jährige nach einem Klinikaufenthalt nicht zurück in ihre Wohnung sondern in ein Seniorenheim. Ihre bisherige Wohnung gab sie nicht auf und machte die Kosten für Heimaufenthalt und Verpflegung bei der nächsten Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend. Weil sie aber weder einen Behindertenausweis mit dem Vermerk H für Hilflosigkeit hatte, noch eine anerkannte Pflegestufe, wurde dies vom Finanzamt abgelehnt.

Urteil
Das Gericht entschied letztendlich, dass ein krankheitsbedingter Aufenthalt in einem Pflegeheim zu den Krankheitskosten zählt, die als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden können. Die nicht vorhandene Pflegestufe war in diesem konkreten Fall also ohne Bedeutung.

(Stand August 2012)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Foto1: © Alexander Raths - Fotolia.com, Foto2: © Robert Kneschke - Fotolia.com, Foto3: © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com