Wie Sie einen Vertrag widerrufen – Vorlage und Formulierungstipps

Erfahren Sie hier, wie Sie schriftlich einen Vertrag widerrufen. Nutzen Sie unsere Formulierungstipps oder eine kostenlose Vorlage zum Ausdrucken.

Wie Sie einen Vertrag widerrufen - Vorlage und FormulierungstippsVerträge sind einzuhalten, wussten schon die alten Römer. Und trotzdem kann es gute Gründe geben, einen geschlossenen Vertrag widerrufen zu wollen. Vielleicht wurden Sie falsch beraten, fühlten sich unter Druck gesetzt oder haben sich einfach geirrt.

Die Widerrufsfrist

Der Rücktritt von einem Verbrauchervertrag ist in §353 BGB geregelt. Eine Widerrufsfrist von vierzehn Tagen sieht das Gesetz für alle Verträge vor, die

  • per Brief,
  • Telefon,
  • Telefax
  • oder Internet

geschlossen wurden. Es sei denn, der Verkäufer bietet seine Waren gar nicht per Katalog oder im Internet an. Das wäre z.B. dann der Fall, wenn Sie im Urlaub ein Kleidungsstück im Schaufenster sehen und später dem Inhaber einen Brief schreiben mit der Bitte, Ihnen dieses zu liefern.

Eine Widerrufsfrist von vierzehn Tagen gilt auch bei den sogenannten Haustürgeschäften.

Wann beginnt die Widerrufsfrist?

Grundsätzlich beginnt die Widerrufsfrist mit dem Zugang der schriftlichen Widerrufsbelehrung. Haben Sie beispielsweise ein Buch im Internet gekauft, das Sie erst drei Wochen nach dem Kauf erhalten haben, ist Ihre Widerrufsfrist natürlich nicht abgelaufen, sondern beginnt mit dem Zugang der Ware.


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Vertrag widerrufen – Besonderheiten beim Widerrufsrecht

  • Verderbliche Waren wie Lebensmittel, Hotelbuchungen, speziell für Sie hergestellte Artikel u.ä. sind vom Widerrufsrecht ausgenommen.
  • Eine Besonderheit gibt es bei Finanzierungen. Kaufen Sie ein Auto und finanzieren dies mit einem über das Autohaus vermittelten Kredit, so gilt der Rücktritt vom Kreditvertrag auch für den Kaufvertrag über das Auto.
  • Die in den meisten Fällen geltende Frist von vierzehn Tagen gilt nicht in allen Fällen. eBay-Verträge haben in der Regel eine Widerrufsfrist von vier Wochen.

Im Unterschied dazu gibt es beim Kauf in Geschäften kein Rücktrittsrecht. Dass viele Händler dies trotzdem einräumen, ist Kulanz.

Wie können Sie einen Vertrag widerrufen?

Wie können Sie einen Vertrag widerrufen?
Wenn Sie einen Vertrag widerrufen möchten, sollte dies auf jeden Fall schriftlich geschehen. Mündlicher oder telefonischer Widerruf ist zwar nicht ausgeschlossen. Aber Sie müssen beweisen, dass Sie dem Vertragspartner Ihren Willen mitgeteilt haben. Daher sollte der Widerruf auf jeden Fall per Einschreiben mit Rückschein versandt werden. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen und die Möglichkeit dazu haben, können Sie das Schriftstück auch zusätzlich noch per Fax an den Vertragspartner senden und das Faxprotokoll aufbewahren. Es hat einige wenige Gerichtsurteile gegeben, bei denen ein Einschreiben nicht als Beweis des Zugangs anerkannt wurde. Dass weder Einschreiben noch Fax angekommen sind, wird ein Gericht aber regelmäßig als nicht glaubhaft ansehen.

Was muss Ihr Widerrufsschreiben enthalten?

PersonalienBeginnen sollten Sie selbstverständlich mit Ihrem Namen, Vornamen und Ihrer Anschrift. In das Adressfeld gehören der Name des Unternehmens und dessen vollständige Anschrift.
VersandartDarüber sollte stehen “per Einschreiben mit Rückschein” oder “per Einwurf-Einschreiben”, je nachdem, welche Versandart Sie gewählt haben. Wenn Sie das Schreiben zusätzlich per Fax versenden wollen, schreiben Sie “zusätzlich per Fax an (Faxnummer)".
BetreffzeileIn die Betreffzeile schreiben Sie die Nummer des Vertrages, evtl. Ihre Kundennummer und das Datum des Vertragsabschlusses bzw. des Zugangs der Ware oder der schriftlichen Widerrufsbelehrung.
InhaltDer Text kann ganz knapp gestaltet werden: “Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit widerrufe ich fristgerecht den o.a. Vertrag. Ich bitte um umgehende schriftliche Bestätigung.” Sicherheitshalber können Sie noch hinzufügen “Hilfsweise kündige ich den Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt.”
Begründung / BedingungEine Begründung ist nicht erforderlich. Keinesfalls sollten Sie einen Vertrag widerrufen und dabei den Widerruf an irgendeine Bedingung knüpfen. Auch ein Widerruf ist eine sogenannte “bedingungsfeindliche” Willenserklärung, die durch die Bedingung ungültig wird.
EingangsbestätigungFür den Eingang der Bestätigung sollten Sie eine Notiz in Ihrem Terminkalender machen, damit Sie ggfs. noch einmal nachhaken können.
Einzugsermächtigung widerrufenSollten Sie bei Vertragsabschluss eine Einzugsermächtigung erteilt haben, so fügen Sie hinzu “Die (am) erteilte Einzugsermächtigung widerrufe ich hiermit mit sofortiger Wirkung.”

Und vergessen Sie im Eifer des Gefechts Ihre Unterschrift nicht!

Scheuen Sie sich auch nicht, einen in kaufmännischen Dingen bewandten Nachbarn oder Freund noch einmal einen Blick auf das Widerrufsschreiben werfen zu lassen.

Was tun, wenn es schiefgeht?

Was tun wenn es schiefgeht?
Keine Sorge, wenn Sie sich an die Widerrufsfrist halten und den Zugang beweisen können, kann eigentlich nichts schiefgehen. Die überwiegende Zahl der ehrlichen Unternehmer steht nur deswegen nicht so oft in der Zeitung, weil „schwarze Schafe“ die besseren Schlagzeilen hergeben.

Sollte es doch einmal anders kommen, so gibt es immer noch Möglichkeiten, aus einem Vertrag wieder herauszukommen, etwa mittels sogenannter „Anfechtung wegen Irrtum“. Sollte dies wider Erwarten einmal notwendig sein, empfiehlt sich der Weg zum Anwalt oder zur Verbraucherberatung. Weder das Anwaltshonorar noch die Beratungsgebühr der Verbraucherberatung ist teuer, sondern im Zweifelsfalle gut investiertes Geld.

Vertrag widerrufen: Vorlage kostenlos zum Ausdrucken

Wenn Sie den Widerruf nicht selbst formulieren möchten, können Sie auch einen Vordruck verwenden. Unter www.kostenlose-vordrucke.de steht Ihnen ein Exemplar zur Verfügung, in dem Sie ihre Daten direkt eingeben,speichern und drucken können.

1 Kommentar

  1. Es sollte bei diesen Ratschlägen hier klargestellt werden dass man einen Vertrag für einen Autokauf bei einem Händler NICHT widerrufen kann, es sei denn man kann klar beweisen dass man arglistig getäuscht worden ist. Wir wurden beim Kauf belogen, für unsere Gutgläubigkeit bestraft da wir uns von den vielen Auszeichnungen für den Händler beeindrucken hatten lassen, es wurde sogar ein Tippfehler im Vertrag vom Händler zugegeben, aber rechtlich stehen wir am Ende so da dass wir vor Gericht ziehen müssen und dann hoffen dass uns der Richter glaubt, und nicht dem Händler. Der Kunde hat beim Autokauf überhaupt keine Rechte.

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