Interview mit Personalvermittlung für Rentner

Ein neues Projekt hat das Interesse von Aktive Rentner geweckt. Ellen Wichterich aus München hat eine Personalvermittlung für Rentner gegründet. Das komplette Interview hier lesen.

Personalvermittlung für RentnerNicht jeder Rentner fühlt sich auch als solcher berufen. Viele können mit der neu gewonnenen Freizeit nichts anfangen und suchen nach neuen Herausforderungen. Der Aspekt des „Gebrauchtwerdens“ spielt dabei eine große Rolle. Anderen fehlt einfach das Geld, um den Ruhestand ausgeglichen genießen zu können. Ein Nebenverdienst muss her. Das erkannte auch Ellen Wichterich aus München. Nachdem Ellen einige Sendungen im Fernsehen gesehen hat, in denen Rentner vorgestellt wurden, die für einen Hungerlohn arbeiten gehen müssen, gründete sie kurzentschlossen das Projekt Personalvermittlung für Rentner: www.rentnervermittlung.com.

Eine gute Idee, wie wir finden! Ich habe mich mit Ellen unterhalten und Sie gebeten uns ihr Konzept etwas genauer vorzustellen. Hier das Interview zwischen Aktive Rentner und Ellen Wichterich – Personalvermittlung für Rentner.

Hallo Ellen, stell Dich unseren Lesern bitte etwas genauer vor.

Ellen Wichterich: Ich bin 48 Jahre alt und seit gut 13 Jahren in der Personalberatung tätig. Ich bin u.a. für die Datenbank, Auswertung von Fachzeitschriften, Bearbeitung von Blindbewerbungen usw. zuständig. Vorher war ich u.a. in der Unternehmensberatung McKinsey tätig (u.a. Einstellung und Einarbeitung von Sekretärinnen), aber auch einige Jahre selbständig mit einer Boutique in München.

Wie bist Du auf die Idee der Rentnervermittlung gekommen?

Ellen Wichterich: Die Idee zu dieser Rentnervermittlung kam mir, als ich kürzlich einige Sendungen gesehen habe, die mir ans Herz gingen, (a) über Rentner, die sich etwas dazuverdienen müssen, weil sie 450 – 600 € Rente bekommen, und die für „Hungerlöhne“ als Putzfrauen/-männer benutzt werden und (b) über ein schweizer System, das arbeitswillige Rentner an Familien vermittelt, die dringend Unterstützung benötigen können (z.B. ein Rentner, der auf einer Alm mithilft, die Kinder ein wenig betreut usw. und sozusagen als Adoptivopa mit in der Familie lebt, dort aber auch bleiben kann, wenn er pflegebedürftig wird).


Die Idee fand ich richtig toll und ich denke, dass so etwas Zukunft hätte: Rentner, die kleine Aufgaben übernehmen und sich etwas dazuverdienen und sich gleichzeitig nicht so nutzlos vorkommen sowie Familien, die vielleicht eine Ersatzoma zum Backen, oder einen Hundesitter, Urlaubs-Haus-/Gartenbetreuung usw. benötigen könnten.

Welche Erfolge kannst Du bisher vorweisen?

Ellen Wichterich: Da ich gerade erst seit zwei Wochen online bin und bis dato noch keine Werbung gemacht habe, kann ich noch nicht wirklich auf große Erfolge verweisen, aber immerhin habe ich bereits zwei Jobangebote im Großraum München. Auch ein paar Profile von Arbeitsuchenden habe ich bereits erhalten bzw. wurden mir angekündigt (u.a. ein Ex-Manager eines großen Unternehmens, der sich schlichtweg in der Rente langweilt).

Wie genau läuft es ab, wenn ich als Rentner noch nicht aufs Abstellgleis möchte und mich daraufhin bei Dir melde?

Ellen Wichterich: Ich erfrage erstmal die Verfügbarkeit (täglich/wöchentlich/monatlich/regelmäßig wie viele Stunden?), die Erfahrungen (Sprachkenntnisse, Erfahrungen aus dem Berufsleben etc.), die Mobilität (Auto und Führerschein vorhanden, oder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen?) sowie die gewünschten Tätigkeitsfelder. Dann sehe ich in meiner Datenbank nach, welche Jobangebote in der näheren Umgebung vorhanden sind. Sofern ich etwas Passendes habe, melde ich mich gleich wieder, wenn nach einiger Zeit ein passendes Jobangebot eingeht, melde ich mich ebenfalls bei den dafür in Frage kommenden Senioren.

Keinesfalls gebe ich persönliche Daten ohne vorherige Absprache mit den Senioren an Firmen oder Privatpersonen weiter. Die Profile der interessierten Personen würde ich dann nach deren Einverständnis an den Arbeitgeber weiterleiten, so dass er sich mit diesen oder umgekehrt die Senioren mit dem Arbeitgeber in Verbindung setzen können.

Wichtig ist mir auch, nach Abschluss ein Feedback von beiden Seiten zu erhalten. Hat alles gut geklappt? Ist/War die Aufgabe so wie beschrieben? War die Zusammenarbeit erfolgreich, oder gab es Probleme? Alles in allem: eine persönliche Betreuung und nicht nur eine anonyme Internet-Datenbank.

Wie finanzierst Du dich und deinen Service?

Ellen Wichterich: Über das Thema Finanzierung habe ich lange nachgedacht: Soll ich eine Vermittlergebühr veranschlagen, wenn ich einen Arbeitnehmer vermitteln konnte? Das kann leicht umgangen werden, indem man mich nicht informiert, dass man sich geeinigt hat. Und wie hoch sollte diese Gebühr sein? 5%/10% der Auftragssumme? Wie sollte ich das handeln, wenn jemand nur für ein paar Stunden gebraucht wird, jemand anders aber einen regelmäßigen Job bekommt. Das schien mir alles zu bürokratisch bzw. aufwendig. Daher habe ich mich entschieden, eine kleine Jahresgebühr zu verlangen. Zunächst einmal 20 € für Senioren oder private Auftraggeber und 50 € für Firmen. Diese entfällt für 2013 für all diejenigen, die sich bis 31. März 2013 bei mir anmelden.

Damit hoffe ich erstmal, die angefallenen und noch anfallenden Kosten halbwegs decken zu können. Da ich diese Vermittlung derzeit nebenberuflich mache, muss ich kein Geld damit verdienen. Falls der Aufwand so groß werden sollte, dass sich das nicht mehr miteinander vereinbaren lässt, sollte ich in der Lage sein, auch über Werbung (Banner oder Links auf meiner Website) Einnahmen erzielen zu können. Aber das ist natürlich momentan noch Zukunftsmusik.

» Ende Interview vom 14. Januar 2013 «

Wer sich angesprochen fühlt, kann über das Kontaktformular auf der Homepage direkten Kontakt mit Ellen Wichterich aufnehmen. Ellen kümmert sich bundesweit um die Vermittlung von Rentnern!
Aktive Rentner wünscht viel Erfolg.

1 Kommentar

  1. Das Modell Rentner zu vermitteln ist ja nicht neu und es gibt dies doch schon sehr erfolgreich in Deutschland und in der Schweiz unter Rent a Rentner (rentarentner.de / rentarentner.ch).
    Wichtig ist doch für für mich als ältere Person auch wieder in Kontakt und Job-Möglichkeiten zu bekommen, was bei einem etablierten Portal wie Rent a Rentner mir doch wahrscheinlicher erscheint. Aber trotzdem viel Glück.

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