Scham und soziale Isolation sind bei Stuhlinkontinenz fehl am Platz. Denn ist die Ursache dafür erst einmal geklärt, kann Ihnen geholfen werden.

Stuhlinkontinenz
Stuhlinkontinenz ist immer noch ein Tabuthema – © amazing studio / stock.adobe.com

Die meisten sprechen nicht über das „Tabuthema“ und holen sich deshalb auch keine Hilfe. Dieser Zustand kann jedoch zu erheblichen emotionalen und sozialen Belastungen führen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Dabei muss das gar nicht sein. Schließlich stehen Sie mit der Diagnose Inkontinenz nicht alleine da. Außerdem ist Stuhlinkontinenz häufig behandel- und sogar heilbar.

In diesem Artikel werde ich mich ausführlich mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Stuhlinkontinenz befassen. Sie werden erfahren, was die Stuhlinkontinenz verursachen kann, wie sie sich genau äußert und welche Möglichkeiten zur Behandlung es gibt.

❓ Was versteht man unter Stuhlinkontinenz?

Es gibt verschiedene Formen von Inkontinenz. Während Betroffene bei der Harninkontinenz unwillkürlich Urin verlieren, bezieht sich die Stuhlinkontinenz, auch als Darminkontinenz bekannt, auf den Verlust der Fähigkeit, den Stuhlgang zu kontrollieren. Dieser unwillkürliche Verlust von Darminhalt kann sich sowohl in Form von Luft als auch in Form von Darmschleim oder Stuhl äußern. Die Schwere der Stuhlinkontinenz kann dabei von Person zu Person variieren, ebenso wie die zugrunde liegenden Ursachen.



Betroffen sind in Deutschland etwa 5 Millionen Menschen. Darunter vor allem ältere Personen, da die Gewebeelastizität des Beckenbodens mit der Zeit nachlässt und daher eine Schwächung des Schließmuskels eintreten kann. Frauen sind dabei laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. im Verhältnis 4-5 : 1 häufiger betroffen als Männer. Grund hierfür ist häufig die Belastung durch Schwangerschaften und Geburten.

Ursachen für Stuhlinkontinenz

Die Ursachen für Stuhlinkontinenz können vielfältig sein und von individuellen Faktoren abhängen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen im Überblick:

◾ Verletzung der Schließmuskeln:

Eine Verletzung oder Schwächung der Schließmuskeln kann zu Stuhlinkontinenz führen. Dies kann durch Geburtsverletzungen, Verletzungen des Beckenbodens oder Operationen im Bereich des Enddarms verursacht werden.

◾ Darmerkrankungen:

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa können zu Stuhlinkontinenz führen. Denn diese Erkrankungen können den Darm und die Muskeln, die für die Stuhlkontrolle wichtig sind, beeinflussen.

◾ Neurologische Probleme:

Schäden oder Störungen des Nervensystems, wie beispielsweise bei Multipler Sklerose, Demenz, Alzheimer, einem Schlaganfall oder Rückenmarksverletzungen, können die Kommunikation zwischen Gehirn und Darm stören und zu Stuhlinkontinenz führen.

◾ Muskel- und Gewebeschwäche:

Mit zunehmendem Alter kann es zu einer allgemeinen Schwächung der Muskeln und des Gewebes im Beckenbereich kommen. Dies kann zu einer Beeinträchtigung der Stuhlkontrolle führen.

◾ Medikamente:

Bestimmte Medikamente können Durchfall verursachen oder die Stuhlkonsistenz beeinflussen, was zu Stuhlinkontinenz führen kann. Beispiele hierfür sind Antibiotika, Abführmittel und Chemotherapeutika.



Symptome von Stuhlinkontinenz

Die Symptome von Stuhlinkontinenz können je nach Schweregrad der Erkrankung variieren. Hier sind einige häufige Symptome, auf die Sie achten sollten:

◾ Darmgase entweichen:

Im Anfangsstadium entweichen immer wieder Darmgase, ohne dass Betroffene dies bemerken bzw. nicht mehr beeinflussen können.

◾ Unwillkürlicher Stuhlabgang und Undichtigkeit:

Eine der offensichtlichsten Symptome von Stuhlinkontinenz ist der unwillkürliche Verlust von Stuhl. Dies kann in Form von Flecken in der Unterwäsche oder vollständigem Stuhlabgang auftreten. In sehr schweren Fällen kann selbst fester Stuhl nicht mehr gehalten werden.

◾ Veränderung der Stuhlgewohnheiten:

Menschen mit Stuhlinkontinenz können Veränderungen in ihren Stuhlgewohnheiten feststellen, wie zum Beispiel häufigeren Stuhlgang oder Durchfall.

◾ Dranginkontinenz:

Eine weitere mögliche Symptomatik ist die Dranginkontinenz, bei der ein plötzlicher, intensiver Stuhldrang auftritt.

Behandlung von Stuhlinkontinenz

Stuhlinkontinenz Beckenbodenübungen
Beckenbodenübungen können die Kontrolle über den Stuhlgang verbessern – © sunnychicka / stock.adobe.com

Glücklicherweise stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um Stuhlinkontinenz zu bewältigen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Prinzipiell richtet sich die Art der Behandlung dabei immer nach der jeweiligen Ursache für die Inkontinenz. Hier sind einige der gängigsten Behandlungsansätze im Überblick:

◾ Lebensstiländerungen:

In einigen Fällen können einfache Veränderungen des Lebensstils dabei helfen, die Symptome von Stuhlinkontinenz zu reduzieren. Dazu gehören die Anpassung der Ernährung, um Durchfall zu vermeiden, und die Einführung eines regelmäßigen Stuhlgangmusters.

Prinzipiell sollten bei einer Stuhlinkontinenz blähende Lebensmittel wie Bohnen und Kohl sowie auch koffeinhaltige Getränke vom Speiseplan gestrichen werden. Vielmehr sollten stark quellende Lebensmittel wie z.B. Haferflocken, Quinoa oder indische Flohsamen verzehrt werden.

◾ Beckenbodenübungen:

Gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur können die Kontrolle über den Stuhlgang verbessern. Ein Physiotherapeut oder ein spezialisierter Therapeut kann bei der Anleitung solcher Übungen behilflich sein. Sie finden aber auch entsprechende Übungen in unserem Beitrag: Schwacher Beckenboden: Ursache für Blasenschwäche und was Sie dagegen tun können.

◾ Medikamente:

In einigen Fällen können bestimmte Medikamente helfen, die Symptome von Stuhlinkontinenz zu reduzieren. Dazu gehören Antidiarrhoika, die den Stuhlgang regulieren, oder Medikamente, die die Schließmuskeln stärken. Häufig kommen Medikamente mit dem Arzneistoff Loperamid zum Einsatz, da sie die Bewegung der Darmmuskulatur drosseln und den Stuhl eindicken.

◾ Chirurgische Eingriffe:

In schweren Fällen von Stuhlinkontinenz kann ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene Verfahren, wie z. B. die Implantation eines künstlichen Schließmuskels oder die Rekonstruktion des Beckenbodens, um die Kontrolle über den Stuhlgang wiederherzustellen.

Kann man Stuhlinkontinenz verhindern?

Es gibt keine Garantie dafür, dass Stuhlinkontinenz vollständig verhindert werden kann. Ein gesunder Lebensstil, einschließlich einer ballaststoffreichen Ernährung und einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, kann jedoch dazu beitragen, die Stuhlkonsistenz zu verbessern und das Risiko daran zu erkranken zu verringern. Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Genug trinken im Alter – Mit diesen 7 Tricks klappt’s!

↪ Fazit:

Stuhlinkontinenz ist ein Zustand, der ernsthafte Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben kann. Es ist wichtig zu verstehen, dass es Behandlungsmöglichkeiten gibt und niemand mit diesem Problem allein ist. Durch eine Kombination aus Lebensstiländerungen, Übungen, Medikamenten und in einigen Fällen chirurgischen Eingriffen kann die Kontrolle über den Stuhlgang verbessert werden.

Wenn Sie Anzeichen von Stuhlinkontinenz bei sich selbst oder einem geliebten Menschen bemerken, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und die besten Behandlungsoptionen zu besprechen.

Mein Tipp:

Haben Sie den Verdacht, an einer Stuhlinkontinenz zu leiden, führen Sie über mehrere Wochen ein sogenanntes Stuhltagebuch. Darin notieren Sie einfach die Häufigkeit der Stuhlgänge und ihre Beschaffenheit. Notieren Sie auch, was Sie gegessen haben. Auf diese Weise können Sie eventuell herausfinden, welche Speisen die Stuhlinkontinenz begünstigen. Darmprobleme bei Senioren lassen sich so von Ärzten auch gleich viel leichter behandeln.

dagmar

Dagmar führt das Projekt Aktive-Rentner.de bereits seit 2009. Sie berichtet dabei täglich über Neues und Wissenswertes für Rentner und Senioren. Auch auf Twitter und Facebook

Comments are closed.