Schwacher Beckenboden: Ursache für Blasenschwäche und was Sie dagegen tun können

Wer unter Blasenschwäche leidet, hat Probleme mit den Schließmuskeln der Entleerungsorgane. Hauptursache ist häufig ein schwacher Beckenboden.

Schwacher BeckenbodenDie genaue Zahl ist nicht bekannt, es kann aber davon ausgegangen werden, dass in Deutschland rund 8 Millionen Menschen von Blasenschwäche betroffen sind. Etwa zwei Millionen der Betroffenen sind über 60 Jahre, davon überwiegend Frauen.

Blasenschwäche, bzw. medizinisch Inkontinenz, beeinflusst merklich den Alltag besonders dann, wenn es sich nicht nur um einen tröpfchenweisen Abgang des Urins handelt. Die unkontrollierte Blasenschwäche ist bei Männern und Frauen unterschiedlich. Während beim Mann im gesetzten Alter Probleme mit der Prostata auftreten, ist die altersbedingte Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur häufig die Ursache beim weiblichen Geschlecht.

Aufbau und Funktion des Beckenbodens

Um zu verstehen, warum die Beckenbodenmuskulatur mitverantwortlich für Blasenschwäche ist, muss man sich ein wenig mit der Anatomie auseinandersetzen. Wie es der Name bereits sagt, besteht der Beckenboden aus verschiedenen Muskelschichten und Bindegewebe. Insgesamt sind es drei Muskelschichten, die zusammen Harnröhre, Scheide und After umschließen. Die oberste Schicht ist die stärkste und „schützt“ die Organe. Die zweite Schicht befindet sich zwischen den Sitzknochen, also unterhalb der Blase. Die dritte und äußere Muskelschicht verläuft achtförmig und beinhaltet den Schließmuskel für Scheide und After.

➥ Aufgaben des Beckenbodens

Beim Beckenboden spricht man oft auch von der inneren Mitte, weil er den inneren Organen Halt geben soll. Ein „gesunder“ Beckenboden sorgt bei Anspannung dafür, dass es zu keinem unkontrollierten Abgang von Urin oder Stuhl kommt. Er kontrolliert also den Schließmuskel.


Blasenschwäche durch Fehlfunktion des Beckenbodens

Bei Männern kommt es oft durch Prostataprobleme zur Fehlfunktion des Beckenbodens. Frauen klagen mit zunehmendem Alter und Einsetzen der Wechseljahre über Blasenschwäche. Bemerkbar macht sich dies durch unkontrolliertes Wasserlassen beim Niesen, Husten oder hüpfenden Bewegungen. In jungen Jahren kann eine vorübergehende Inkontinenz auch nach der Schwangerschaft auftreten. Ein schwacher Beckenboden kann die umliegenden Organe wie Harnblase, Darm und Gebärmutter nicht mehr richtig stützen.

Wie Sie einen schwachen Beckenboden erkennen

Neben der beschriebenen Blasenschwäche gibt es noch weitere Symptome, die auf einen schwachen Beckenboden hinweisen. Ziehende Schmerzen im Unterleibsbereich oder auch Rückenprobleme in der Kreuzbeingegend, können ein Indiz für einen geschwächten Beckenboden sein. Manche Frauen klagen wiederum über Schmerzen an der Wirbelsäule. Starke Hustenanfälle und andauernde Verstopfung begünstigen einen schwachen Beckenboden.

Was tun um den Beckenboden zu stärken?

Bewegung bei schwachem BeckenbodenGenerell gilt: Bewegung stärkt den Beckenboden. Wer Sport treibt, tut seinem Körper also etwas Gutes. Übertreiben darf man es aber nicht, denn stoßende Bewegungen, wie beim Joggen oder den meisten Ballsportarten bewirken das Gegenteil.

Im Alter haben Sie trotzdem die Möglichkeit, einem schwachen Beckenboden entgegen zu wirken. Spaziergänge und leichte Übungen, zum Beispiel beim Yoga oder Pilates, wird die Beckenbodenmuskulatur schonend gestärkt. Regelmäßiges Schwimmen hilft ebenfalls, den Beckenboden zu stärken. Im Wasser müssen Sie ihr eigenes Gewicht nicht tragen, die Muskulatur wird also entlastet. Besonders effektiv ist Brustschwimmen, da durch die Beinbewegung der Beckenboden abwechselnd angespannt und wieder entspannt wird.

Eine beliebte Sportart von Senioren ist Nordic Walking, die bei Beckenbodenproblemen und Blasenschwäche nur zu empfehlen ist. Anders als beim Joggen, wird der Beckenboden geschont, da der Körper nicht stoßweise auf den Boden trifft.


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3 einfache Übungen zur Stärkung des Beckenbodens

Wer sich noch fit genug fühlt, kann die nachfolgenden Beckenbodenübungen zu Hause ausführen. Wichtig dabei ist nur, dass Sie eine gewisse Regelmäßigkeit einhalten (mehrmals in der Woche). Ein einziges Mal bringt keinen Erfolg.

Beckenbodenübung 1

Beckenbodenübung 1Legen Sie sich flach auf den Boden, am besten auf eine Matte oder Decke. Winkeln Sie die Beine an und legen Sie die Arme, mit den Handflächen nach oben, seitlich neben den Körper. Ab jetzt spielt die Atmung eine wichtige Rolle. Beim Ausatmen schließen Sie mit Ihren Muskeln die Scheide, beim Einatmen entspannen Sie und öffnen die Scheide wieder. Probieren Sie diese Übung auch mit dem Anus, jeweils etwa 5 bis 8 Mal.

Beckenbodenübung 2

Beckenbodenübung 2
Hierzu bleiben Sie fast in der gleichen Stellung wie in Übung 1. Legen Sie sich also wieder auf den Boden, dieses Mal allerdings auf die Seite. Die Beine sind angewinkelt und liegen übereinander. Eine Hand kommt unter den Kopf, die andere wird vor der Brust aufgestellt. Damit stützen Sie sich gleichzeitig ab. Atmen Sie aus und heben Sie dabei das oben liegende Knie. Mit dem Einatmen wird das Knie wieder gesenkt. Auch diese Übung etwa 5 bis 8 Mal wiederholen.

Beckenbodenübung 3

Beckenbodenübung 3Diese Beckenbodenübung erfordert etwas mehr Kraftanstrengung, fördert aber gleichzeitig die Bauch- und Rückenmuskulatur. Legen Sie sich auf den Rücken und winkeln Sie die Beine an. Nun gilt es den Po soweit anzuheben, dass Oberschenkel und Oberkörper eine Linie bilden. Allein das wird schon Anspannung genug sein. Wer es schafft, hebt jetzt immer im Wechsel einen Fuß, jeweils 4 Mal.

Weiterführende Links und hilfreiche Tipps
➡ Natürliche Unterstützung bei Blasenschwäche: hilfreiche Produkte gibt es hier
➡ Beckenboden-Buchtipp: Wie Sie den Alltag zum Training nutzen
➡ Erfahrungsaustausch und Informationen: Inkontinenz Selbsthilfe e.V.

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