Analphabeten im Alter – Was tun?

Analphabeten im Alter - Keine Seltenheit
Analphabeten im Alter - Keine Seltenheit

Fast jeder zehnte Deutsche ist Analphabet. Laut aktuellen Schätzungen soll es insgesamt 7,5 Millionen Analphabeten in ganz Deutschland geben. Das ist mehr, als bislang angenommen. In der Grundschule lassen sich Schwächen beim Lesen und Schreiben noch leicht verbergen. Doch viele ältere Menschen, die nicht lesen oder schreiben können, geraten im Alltag leicht unter einen enormen Druck. Der Grund: Fast alles in unserer zivilisierten Welt geschieht über die Aufnahme von Wörtern und Sätzen. Zeitungen, Briefe, E-Mails, Produktbeschreibungen in den Geschäften, Ausfüllen von Fragebögen bei Behörden und Ämtern – überall ist das Lesen und Schreiben erforderlich.

Analphabeten im Alter haben das Lesen und Schreiben oftmals schon in der Schule nicht richtig gelernt. Vor einigen Jahrzehnten war die Schulpolitik auch noch eine ganz andere. Doch auch im Alter gibt es noch Wege, mit dem Analphabetismus umzugehen.

Hin zur Volkshochschule – Raus aus der Isolation

Wichtig ist, aus der Isolation herauszutreten. Analphabetismus ist keine Krankheit und auch keine Behinderung. An erster Stelle seien die von Enkelkinder nach einem vorgelesenen Buch. Lesen und schreiben zu können, bedeutet auch ein wenig Unabhängigkeit und Freiheit.

Aktiv werden – Fragen Sie Freunde!

Es kann sein, dass Sie sich wirklich nicht mehr in der Lage fühlen, aus eigener Kraft einen Lese- und Schreibkurs zu besuchen. Dann gibt es die Möglichkeit, dass Sie sich eine Person Ihres Vertrauens suchen, falls dies nicht schon geschehen ist. Sie kann Ihnen beim Ausfüllen von wichtigen Formularen und beim Schreiben von Briefen helfen.

Fragen Sie einen Arzt!

Wichtig ist auch, zuerst beim Arzt die Funktion der Augen und Ohren überprüfen zu lassen. Denn mit einem Seh- oder Hörproblem sind Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen fast zwangsläufig die Folge.

Online lesen und schreiben lernen

Wer den Umgang mit dem Computer nicht scheut, findet auf der Seite ich-will-lernen.de auch für Anfänger geeignete Übungen. Sie müssen nur die Scheu vor den Worten und Sätzen verlieren. Dies geschieht am besten, wenn sie immer wieder etwas aufschreiben: Einkaufszettel, kleine Notizen an den Partner, Postkarten. Nur Mut, auch wenn die Texte am Anfang noch sehr fehlerbehaftet sein mögen. Doch zunehmend wird die Angst vor Niederlagen sinken. Kleine Erfolge stellen sich ein.

Lesen lernen mit großen Buchstaben

Genau so verhält es sich auch mit dem Lesen lernen. Am Anfang suchen Sie sich bitte einfache Wörter und Sätze mit großen Buchstaben. Üben Sie immer und immer wieder das laute Vorlesen.

Egal, für welchen Schritt Sie sich am Ende entscheiden werden: Sie müssen selbst aktiv werden und dürfen sich nicht hinter falscher Scham verstecken. Dann wird es Ihnen irgendwann möglich sein, ohne fremde Hilfe einen Fahrkartenautomaten zu bedienen oder das gewünschte Essen im Restaurant zu bestellen.

2 Kommentare

  1. Diese hohe Zahl von Analphabeten hätte ich nicht erwartet. Nicht für Deutschland. Letztlich ist es auch in jedermannes eigenem Interesse, dem entgegenzuwirken – so einen Bildungsrückstand haben wir ja nun wirklich nicht mehr nötig!

  2. Hallo Greta,
    ich denke Sie sind nicht die Einzige, die sich über die hohe Zahl der älteren Analphabeten wundert. Viele trauen sich nicht es zuzugeben und in der Gesellschaft wird das Thema leider viel zu wenig erwähnt.

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