Ob sich Photovoltaik für Rentner rechnet, hängt nicht allein vom Alter ab. Ausschlaggebend ist, wie viel Solarstrom direkt im Haushalt verbraucht wird und wie lange das Haus voraussichtlich bewohnt bleibt.

Photovoltaik für Rentner: Wann sich eine Solaranlage im Ruhestand lohnt
Photovoltaik für Rentner lohnt sich. | © Aktive-Rentner.de

Laut der R+V-Studie „Die größten Ängste der Deutschen“ haben 57 % der Menschen ab 60 große Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten. Verständlich, denn laufende Kosten wie Strom, Heizung und Mobilität binden jeden Monat einen festen Teil der Rente. Gerade Strom fällt dabei besonders ins Gewicht, weil er im Haushalt täglich gebraucht wird. Wer ein Eigenheim besitzt, stellt sich deshalb früher oder später die Frage, ob sich eine Photovoltaikanlage im Ruhestand noch lohnt.

Warum Photovoltaik für Rentner interessant ist

Photovoltaik erzeugt Strom aus Sonnenlicht, also hauptsächlich tagsüber. Während Berufstätige morgens das Haus verlassen und erst am späten Nachmittag zurückkommen, können Ruheständler viele Elektrogeräte genau dann mit Solarenergie betreiben, wenn die Photovoltaikanlage auch wirklich Strom produziert. Hier liegt auch der eigentliche Spareffekt. Das beginnt bei einfachen Dingen im Alltag, um etwa bei Waschmaschine und Geschirrspüler bares Geld zu sparen.

Im Gegensatz dazu lohnt sich Photovoltaik in puncto Einspeisevergütung nicht mehr. Das liegt an den aktuellen Marktpreisen. Während die Einspeisevergütung laut BDWE für 1kWh bei 7,78 Cent liegt (Teileinspeisung), kostet 1kWh Haushaltsstrom im Durchschnitt 37 Cent. Je mehr Solarstrom direkt im Haus verbraucht wird, desto stärker sinkt die Stromrechnung.

Tipp:
Eine gut erhaltene Photovoltaikanlage kann den Wert einer Immobilie steigern. Entscheidend sind Alter, Zustand, Leistung und die verbleibende Nutzungsdauer der Anlage. 

Lohnt sich eine Solaranlage mit 65 oder 70 noch?

Eine Photovoltaikanlage lohnt sich für Rentner auch mit 65 oder 70 Jahren. Entscheidend sind der tatsächliche Strombedarf und die geplante Nutzungsdauer. Wer das Eigenheim noch mindestens 10 bis 15 Jahre bewohnen möchte und ein geeignetes Dach besitzt, spart mit Solarenergie langfristig Stromkosten.

Tipp: Home Energy Management System
Noch besser funktioniert das Stromsparen mit Photovoltaik, wenn größere Verbraucher über intelligente Energiemanagementsysteme gesteuert werden. Wer genauer verstehen möchte, wie solche Systeme arbeiten, findet hier alles über HEMS (Home Energy Management System), von der Stromverteilung im Haus bis zur Einbindung von Wärmepumpe, Speicher und Wallbox.

Batteriespeicher: sinnvoll, aber nicht immer nötig

Ein Batteriespeicher erhöht den Anteil des verfügbaren Solarstroms, der im eigenen Haushalt genutzt werden kann. Dieser steht dann später für Licht, Fernseher, Kühlschrank, Router oder Herd zur Verfügung.

Trotzdem ist ein Stromspeicher nicht automatisch die beste Entscheidung. Er kostet zusätzlich Geld und verlängert häufig die Amortisationszeit. Für Rentner ist diese Abwägung besonders wichtig, weil die Investition innerhalb der geplanten Wohnzeit sinnvoll bleiben sollte.

Deshalb ist ein Speicher nur dann sinnvoll, wenn abends noch viel Strom verbraucht wird. Dazu gehören etwa Häuser mit Wärmepumpe, regelmäßiger Warmwasserbereitung oder einem E-Auto, das teilweise mit eigenem Solarstrom geladen wird. Ohne solche Verbraucher entsteht zwar mehr Unabhängigkeit vom Netz, wirtschaftlich fällt der Vorteil aber nicht groß aus.

Tipp: Speichergröße
Ein zu großer Speicher bleibt häufig ungenutzt, gerade im Winter, wenn die PV-Anlage weniger Strom produziert. Ein zu kleiner Speicher bringt nur wenig zusätzlichen Nutzen. Seriöse Angebote nennen deshalb nicht nur den Preis, sondern auch, wie viel zusätzlichen Eigenverbrauch der Speicher realistisch ermöglicht.



Mit Solarstrom über Wallbox E-Auto laden

Eine Wallbox wird für Rentner dann interessant, wenn bereits ein E-Auto vorhanden ist oder der nächste Autokauf ohnehin ansteht. Da viele Rentner häufig nur kurze Strecken fahren und das Auto sonst zu Hause steht, kann es direkt, während die PV-Anlage tagsüber Strom produziert, das Elektroauto aufladen.

Dafür muss das Auto auch nicht jeden Tag vollgeladen werden. Für viele Alltagswege reicht es, regelmäßig kleinere Mengen nachzuladen. Eine 11-kW-Wallbox genügt für die meisten Privathaushalte. Unterstützt die Wallbox das PV-Überschussladen, fließt überschüssiger Solarstrom nicht sofort ins Netz, sondern bevorzugt in die Autobatterie.

Photovoltaik: Förderungen, Steuern und Netzentgelte

Die Photovoltaik-Förderung setzt bei privaten Anlagen hauptsächlich auf Steuervorteile, Einspeisevergütung und zinsgünstige Kredite statt auf einen direkten Zuschuss. Der wichtigste bundesweite Vorteil ist der Umsatzsteuersatz von 0 % für viele PV-Anlagen auf oder in der Nähe von Wohngebäuden. Er gilt unter anderem für Solarmodule, Wechselrichter, Batteriespeicher und die Montage. Das bedeutet, dass die Anlage ohne 19 % Umsatzsteuer berechnet wird, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Förderungen, Steuern und Netzentgelte
Eine kostenlose Energieberatung kann offene Fragen beantworten. | © Aktive-Rentner.de

Hinzu kommt die Einkommensteuerbefreiung für viele private Photovoltaikanlagen. Für Anlagen, die nach dem 31.12.2024 in Betrieb genommen wurden, gilt die Steuerbefreiung bis 30 kWp je Wohn- oder Geschäftseinheit. Bei einem typischen Einfamilienhaus liegt die Anlage häufig darunter. Einnahmen aus solchen Anlagen, etwa durch die Einspeisevergütung, bleiben dann einkommensteuerfrei. Für Regelaltersrentner ist das besonders angenehm, weil diese PV-Einnahmen keine Auswirkungen auf die Rentenhöhe haben.

Wer die Anlage nicht aus den Ersparnissen bezahlen möchte, kann zusätzlich den KfW-Kredit 270 prüfen. Das Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ finanziert unter anderem Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, also auch Photovoltaikanlagen, Netze und Speicher. Es handelt sich dabei aber um ein Darlehen, nicht um einen Zuschuss. Deshalb sollte der Kredit für Rentner nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die monatliche Belastung zur Rentenhöhe und zur erwarteten Stromersparnis passt.

Tipp: § 14a EnWG prüfen!
§ 14a EnWG betrifft nicht die Solaranlage selbst, sondern größere Stromverbraucher wie Wallbox, Wärmepumpe oder Batteriespeicher. Es geht also nur um größere Geräte, die viel Strom auf einmal benötigen. Bei einer drohenden Überlastung des Stromnetzes darf der Netzbetreiber diese Geräte nämlich vorübergehend etwas drosseln. Als Ausgleich erhalten Betreiber eine Reduzierung bei den Netzentgelten. Das ist kein direkter Zuschuss, kann die laufenden Stromkosten aber etwas senken. 

Wann sich Photovoltaik für Rentner nicht lohnt

Es gibt Situationen, in denen eine Photovoltaikanlage trotz gutem Willen nicht sinnvoll ist. Das gilt vorwiegend, wenn das Haus in wenigen Jahren verkauft werden soll und unklar ist, ob der Kaufpreis die Investition angemessen widerspiegelt. Auch bei einer vorzeitigen Vererbung an die Kinder sollte vorher geklärt werden, wer die Anlage später betreibt, wer den Strom nutzt und wer die Verträge übernimmt.

Ein sanierungsbedürftiges Dach ist ein weiterer klarer Warnpunkt. Wenn Dachziegel, Dämmung oder Statik bald erneuert werden müssen, sollte zuerst die Dachsanierung geplant werden. Sonst entstehen doppelte Kosten. Ebenso kritisch sind starke Verschattungen durch hohe Bäume, Nachbargebäude, Gauben oder Schornsteine.

Auch ein sehr niedriger Stromverbrauch spricht gegen eine große PV-Anlage. Wer wenig Strom nutzt und keine größeren Verbraucher plant, erreicht oft nur einen geringen Eigenverbrauch. Dann fließt viel Strom ins Netz, während die Einspeisevergütung vergleichsweise niedrig ist. Wird die Anlage zusätzlich finanziert, kann die monatliche Kreditrate höher ausfallen als die tatsächliche Entlastung bei den Stromkosten.

Vorsicht ist außerdem bei sehr teuren Komplettpaketen geboten. Ein gutes Angebot erklärt verständlich, welche Leistung installiert wird, welche Komponenten enthalten sind, welcher Ertrag realistisch ist und wie sich die Amortisation zusammensetzt. Fehlen diese Angaben oder wird starker Zeitdruck aufgebaut, ist Abstand die bessere Entscheidung.

Balkonkraftwerk als Alternative zur Photovoltaikanlage

Balkonkraftwerk für Rentner
Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Photovoltaikanlage. | © Aktive-Rentner.de

Nicht immer muss es gleich eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach sein. Für Rentner, die zunächst mit überschaubaren Kosten starten möchten, kann ein Balkonkraftwerk eine Alternative sein. Es lässt sich auf Balkon, Terrasse, Garage, Carport oder an einer geeigneten Hauswand montieren und speist den erzeugten Strom direkt ins Hausnetz ein.

Der Nutzen zeigt sich vorwiegend beim Grundverbrauch. Damit sind Geräte gemeint, die tagsüber ohnehin Strom benötigen, etwa Kühlschrank, Gefrierschrank, WLAN-Router, Telefonanlage, Stand-by-Geräte oder ein Laptop. Ein Balkonkraftwerk mit bis zu 800 Watt Wechselrichterleistung liefert diese Leistung nicht den ganzen Tag, sondern nur in sonnigen Momenten. Läuft es eine Stunde lang mit 800 Watt, entstehen 0,8 kWh Strom. Diese Strommenge kann direkt im Haushalt verbraucht werden.

Fazit: Photovoltaik für Rentner lohnt sich

Photovoltaik lohnt sich für Rentner unter den richtigen Voraussetzungen. Entscheidend ist, ob der selbst erzeugte Strom effizient im Haushalt gut genutzt werden kann. Wer tagsüber zu Hause ist, Elektrogeräte während der Sonnenstunden nutzt und das Eigenheim noch mehrere Jahre bewohnen möchte, bringt dafür gute Voraussetzungen mit.

Vor der Entscheidung sollten jedoch Stromverbrauch, Dachzustand, geplante Nutzungsdauer und mögliche größere Verbraucher geprüft werden. Kommen in den nächsten Jahren eine Wärmepumpe, ein E-Auto oder eine elektrische Warmwasserbereitung hinzu, verändert sich der Strombedarf und damit auch die benötigte Größe der PV-Anlage.

Zusätzlich können Speicher, Wallbox und Energiemanagementsystem den Eigenverbrauch erhöhen, sind aber nicht in jedem Haushalt nötig. Manchmal reicht eine PV-Anlage ohne Speicher. In anderen Fällen ist ein Balkonkraftwerk der sinnvollere Einstieg, wenn die Investition klein bleiben soll oder das Dach nicht geeignet ist.

Die beste Lösung ist deshalb nicht die größte Photovoltaikanlage, sondern die, die zum Haus, zum Verbrauch und zur geplanten Wohnzeit passt. Wer unsicher ist, sollte mehrere Angebote vergleichen und sich unabhängig beraten lassen, bevor ein Vertrag unterschrieben wird.

dagmar

Dagmar führt das Projekt Aktive-Rentner.de bereits seit 2009. Sie berichtet dabei täglich über Neues und Wissenswertes für Rentner und Senioren. Auch auf Twitter und Facebook