Immobilienkredit im Alter? Unsere Tipps und Kostenaufstellung

Immobilienkredite sind längst kein Privileg der Jugend mehr. Worauf es bei der Baufinanzierung im Alter ankommt, lesen Sie in diesem Artikel.

Senior-Ehepaar vor Immobilie.
Immobilienkredite sind keine Frage des Alters mehr. © Syda Productions / stock.adobe.com

Während Ratenkredite für kleinere oder größere Anschaffungen relativ schnell unterschrieben werden, wird der Abschluss einer Baufinanzierung gründlicher durchdacht. Und das zu Recht. Denn Immobilienkredite weisen eine lange Laufzeit auf, nicht selten ist der Kredit erst nach Renteneintritt abbezahlt. Doch bis zu welchem Alter ist es überhaupt sinnvoll, große Immobilienkredite abzuschließen?

Baufinanzierung nur für junge Menschen?

Ganz klar bekommen jüngere Menschen eher eine Baufinanzierung bewilligt als Menschen jenseits der 50. Dennoch kann es auch Vorteile haben, in höherem Alter einen Immobilienkredit zu beantragen.

Denn ob dieser letztlich bewilligt wird, ist eben nicht nur eine Frage des Alters. Ausschlaggebend ist auch immer die finanzielle Situation. Und da können Senioren oft punkten gegenüber den jüngeren Kreditnehmern.

Umschulden auch im Alter noch sinnvoll?

Oftmals stehen ältere Kreditnehmer aber auch vor ganz anderen Herausforderungen. Nicht selten laufen mehrere Kredite gleichzeitig, teils mit unterschiedlichen Konditionen und Laufzeiten, die es abzuzahlen gilt.


So kamen im Laufe der Zeit neben der eigentlichen Baufinanzierung noch weitere Kredite für beispielsweise Modernisierungsmaßnahmen hinzu. In solch einem Fall lohnt es sich, über eine Umschuldung nachzudenken.

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Bei einer Umschuldung werden mehrere Kredite von einem neuen Kredit abgelöst. Oftmals können dabei bestehende Konditionen angeglichen und dem aktuellen Finanzgeschehen angepasst werden. Auch bei wenigen verbliebenen Jahren an Restlaufzeit lohnt sich die Umschuldung eines Immobilienkredits oft noch. Besonders dann, wenn man von günstigeren monatlichen Raten und Zinsen profitieren kann.

Immobilie mit Kredit erwerben

Die für einen Immobilienkauf benötigte Kreditsumme richtet sich immer nach dem vorhandenen Eigenkapitalanteil. Ist wenig Eigenkapital für einen Immobilienkauf vorhanden, fällt die Kreditsumme entsprechend hoch aus. Bei einem hohen Eigenanteil hingegen kann die Kreditsumme auch weit weniger als die Hälfte des Kaufpreises betragen.

Eine weitere Grundregel lautet: Je höher das zur Verfügung stehende Eigenkapital, desto wahrscheinlicher die Kreditzusage, auch im Alter.

Daraus lässt sich ebenfalls rückschließen, dass umso mehr Eigenkapital vorhanden sein sollte, je später man den Kauf einer Immobilie anstrebt.

Senioren unterschreiben Kreditvertrag.
Kreditvergabe werden immer öfter an Senioren vergeben. © fizkes / stock.adobe.com

Dabei sollte man nicht nur den Kaufpreis, sondern auch die Nebenkosten bedenken.

Nebenkosten berücksichtigen

Folgende Nebenkosten sind unentbehrlich bei einem Immobilienkauf:

  • Grunderwerbssteuer

Die Grunderwerbssteuer ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und wird prozentual vom Kaufpreis berechnet.

Ausgehend von 3,5 % des Kaufpreises, wie sie in Bayern und Sachsen immer noch aktuell ist, haben andere Bundesländer ihre Grunderwerbssteuer in den letzten Jahren teils mehrfach angehoben. Mit 6,5 % ist die Grunderwerbssteuer am höchsten derzeit in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen.

» Beispiel: Bei einem Kaufpreis von 150.000 Euro beträgt die Grunderwerbssteuer im günstigsten Fall also 5.250 Euro und im teuersten Fall 9.750 Euro.

  • Notar- und Grundbuchkosten

Der Notar sieht für Sie ins Grundbuch ein und klärt, ob eventuelle Eintragungen oder Altlasten gegen den Kauf sprechen. Darüber hinaus berät er zu den rechtlichen Konsequenzen rund um den Vertragsabschluss, setzt Kaufverträge auf und kümmert sich um die entsprechende Eintragung ins Grundbuch, die Sie nach erfolgter Kaufabwicklung als Eigentümer ausweist. Falls Banken den Kredit mit einer Grundschuld absichern möchten, fällt auch das in den Aufgabenbereich des Notars.

Da rechtswirksame Immobilienverkäufe in Deutschland notariell beglaubigt sein müssen, kommen Sie um diese Kosten nicht herum. Auch für die Eintragung ins Grundbuch entstehen Kosten.

Notar- und Grundbuchkosten sind abhängig vom Kaufpreis der Immobilie und betragen derzeit:

– ca. 1 % des Kaufpreises (Notarkosten)

– ca. 0,5 % des Kaufpreises (Grundbuchamt).

» Beispiel: Für die 150.000 Euro-Immobilie fallen ca. 1.600 Euro für den Notar und 530 Euro für die Grundbucheintragung an.

Weitere mögliche Nebenkosten

Neben den fixen Kaufnebenkosten gibt es noch anderweitige Kosten, die jedoch nicht immer anfallen.

Maklerprovision

Hatte in der Vergangenheit bei Immobilienkäufen der Käufer die Maklerkosten alleine zu tragen, haben sich hier Neuerungen ergeben. Seit 2021 gilt, dass bei privaten Immobiliengeschäften Käufer und Verkäufer die Maklerprovision zu gleichen Teilen zahlen. Diese beträgt je nach Bundesland zwischen 4,76 % und 7,14 % des Kaufpreises.

» Beispiel: Zu den 150.000 Euro Kaufpreis können im Höchstfall 10.710 Euro Provisionskosten kommen, von den der Käufer nunmehr die Hälfte, also 5.355 Euro übernehmen muss.

Bis hierher fallen also bei einer Immobilie, die für 150.000 Euro gekauft werden soll, im Höchstfall 17.000 Euro an Nebenkosten an. Hinzu können weitere Kosten für die Immobilienversicherung und unter Umständen Kosten für Gutachten kommen.

Der Kredit muss also vorwiegend die Kaufsumme abdecken. Und hier liegt einer der Vorteile des Älterseins. Verfügen Mittzwanziger eher selten über größere angesparte Summen, sieht dies bei Senioren mitunter ganz anders aus. Oft können sie die Nebenkosten komplett und auch den Kaufpreis anteilig tragen, was sich positiv auf die Kreditzusage und -kondition auswirkt.

Senioren mit Eigenkapital.
Eigenkapital muss vorhanden sein. © Robert Kneschke / stock.adobe.com

Persönliche Situation berücksichtigen

Wer im Arbeitsleben viel auf Reisen ist und regelmäßig den Wohnort wechselt, hat mitunter wenig Interesse an einer eigenen Immobilie. Dennoch kann er auf ein Eigenheim im Alter sparen und sich so frühzeitig genügend Eigenkapital aufbauen.

Je älter der Kreditnehmer ist, desto höher werden die monatlichen Raten ausfallen, da die Laufzeit des Kredits kürzer ist. Mit entsprechendem Eigenkapital kann man die Kreditbedingungen zu seinen Gunsten ändern. Zusätzlich kann sich der Abschluss einer Restschuldversicherung lohnen.

Auch die gesundheitliche Situation im Auge behalten

Im Alter in den eigenen vier Wänden zu wohnen, kann Kosten für den altersgerechten Umbau des Eigenheims mit sich bringen. Dies gilt es ebenfalls zu bedenken. Die Verbraucherzentrale hat zusammengefasst, worauf es ankommt und welche Maßnahmen sinnvoll sind.

Fazit

Private Immobilienkäufe sind keine Frage des Alters mehr. Mit entsprechendem Eigenkapital lässt sich auch in höherem Alter ein Haus oder eine Wohnung erwerben und zu Lebzeiten abzahlen. Dies ist vor allem für diejenigen eine interessante Option, die sich erst spät im Leben für ein Eigenheim entscheiden möchten.