Homosexualität im Alter – Wenn Lesben und Schwule Pflege brauchen

Tabuthema Homosexualität im Alter. Die Akzeptanz von Lesben und Schwulen in Pflegeheimen muss hart erkämpft werden. Statt Coming Out leben viele isoliert.

Thema Pflege: Homosexualität im Alter
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„Wie kann ich mit meinem gleichgeschlechtlichen Partner in Frieden zusammen alt werden und glücklich sein? Werden wir als homosexuelles Paar diskriminiert? Finden wir einen Ort der Akzeptanz, wenn wir pflegebedürftig werden?“ Wer diese Frage stellt, dem möchten wir vorab herzlich gratulieren. Sie haben das große Los gezogen. Sie haben einen Menschen gefunden, der mit Ihnen durch dick und dünn geht und der mit Ihnen alt werden möchte! Das ist ein Glück, das nicht jedem zuteil wird, egal zu welchem Geschlecht man sich hingezogen fühlt.

Allerdings haben homosexuelle Menschen nach wie vor mit mehr Schwierigkeiten und Vorurteilen zu kämpfen, als der durchschnittliche heterosexuelle Bürger. Das fängt beim Versuch an, gemeinsam eine Wohnung zu mieten und setzt sich in vielen Alltagssituationen fort. Homosexualität im Alter ist ein weiteres Problem, das Konfliktstoff mit sich bringt. Gesteht man der Jugend noch das freie Ausleben ihrer Neigungen zu, wird Sexualität im Alter weitgehend mit Naserümpfen zur Kenntnis genommen. Leider erst recht Homosexualität.

Unsere Gesellschaft ist mit der Zeit toleranter geworden. In den letzten Jahrzehnten wurde ein Prozess des Umdenkens in Gang gesetzt, aber bis zur völligen Gleichstellung auch im Bewusstsein des Einzelnen ist es noch ein langer Weg.

Ersatzehe: Eingetragene Lebenspartnerschaft

Ein großer und wichtiger Schritt auf diesem Weg war die Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft. Diese offizielle Eintragung bedeutet nicht nur ein offenes Bekenntnis zu einander, sondern auch, dass die Partner in fast allen Belangen Ehepartnern gleichgestellt sind. Laut Deutschem Statistischen Bundesamt haben 2010 von etwa 63 000 gleichgeschlechtlichen Paaren ca. 23 000 eine solche Lebenspartnerschaft geschlossen.


Vorsorge: Materielle Absicherung des Lebenspartners

Eines der großen Probleme der Homosexualität im Alter ist die Sorge um die Absicherung des Partners im Todesfall. Ohne eingetragene Lebenspartnerschaft kann die Situation des zurückbleibenden Partners zusätzlich zu seiner Trauer, existenzbedrohende Dimensionen annehmen. Ohne Testament tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Hatte der Verstorbene Kinder, erben diese den kompletten Nachlass. Wenn nicht, sind Schwestern und Brüder sowie deren Nachkommen an der Reihe, falls nicht die Eltern noch leben.

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Der Mensch, der sein ganzes Leben in den Dienst des Verstorbenen gestellt hat, der ihn geliebt und gepflegt hat, geht leer aus. Zusätzlich muss dieser womöglich auch die gemeinsame Wohnung nach kurzer Frist verlassen. Doch soweit muss es allerdings nicht kommen.

  • Um das Schlimmste abzuwenden, können Sie beim Notar ein Testament zugunsten Ihres Partners errichten.
  • Noch besser aber sind Sie beide abgesichert, wenn Sie eine offizielle Lebenspartnerschaft eingehen. Sie genießen dann erbrechtlich den gleichen Status wie Ehegatten und haben darüber hinaus auch Anspruch auf Hinterbliebenenrente.
  • Auch betriebliche Altersversorgung können Sie beanspruchen. (Eine Ausnahme bildet hier nur das Bundesland Sachsen.)
  • Aber auch solange Sie beide noch leben, haben Sie Vorteile: Sie können bei der gesetzlichen Krankenversicherung bei ihrem Partner mitversichert sein.

Werden Homosexuelle im Alten- und Pflegeheim akzeptiert?

Werden Homosexuelle akzeptiert?
Homosexualität: Die Akzeptanz wächst | © Robert / stock.adobe.com

Wer im Alter gebrechlicher wird, fragt sich unweigerlich, wie lange er noch seinen eigenen Haushalt führen kann. Oder ob man sich nicht doch beizeiten um ein geeignetes Heim umsehen soll. Homosexualität im Alter bringt auch hier spezielle Probleme mit sich. Im „normalen“ Leben haben Sie die Wahl, mit wem Sie sich umgeben wollen. In einem Pflegeheim sind Sie auf die Gesellschaft der anderen Bewohner angewiesen. Das sind Gleichaltrige oder Ältere, die womöglich mit der Überzeugung aufgewachsen sind, Homosexualität sei etwas Krankhaftes oder Schuldhaftes. Unaufgeklärte Pfleger oder Pflegerinnen können aus Unwissenheit die Situation noch verschärfen. Keine schöne Vorstellung, die hart erkämpfte Identität als Schwuler oder Lesbe nun wieder schamhaft verbergen zu müssen.

Pflegeheime für Homosexuelle – Die Angebote sind rar

Es liegt also nahe, eine Institution zu suchen, bei der Schwule oder Lesben voll akzeptiert sind. In Deutschland steckt die Entwicklung solcher Betreuungsstätten noch in den Kinderschuhen. Erste erfolgreiche Projekte geben aber Anlass zur Hoffnung, dass sich die Idee weiter verbreiten könnte.

Das Immanuel Seniorenzentrum Schöneberg ist Modellprojekt für kultursensible Pflege von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (kurz LSBTI). Ganz nach dem Motto „Jede Liebe – jeder Körper – gut gepflegt“. Die Schwulenberatung Berlin entwickelte das Pilotprojekt im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“.

Kein reines Pflegeheim für Homosexuelle, aber ein Mehrgenerationenhaus ist der Lebensort Vielfalt in Berlin Charlottenburg. In den 24 Wohnungen leben überwiegend ältere, schwule Männer.

Mehrgenerationenhaus Lebensort Vielfalt

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