Die 5 häufigsten Formen von Inkontinenz: Kennen Sie den Unterschied?

Das es sich bei Inkontinenz um Blasenschwäche handelt, ist bekannt. Aber wussten Sie, dass die Form der Inkontinenz von Mensch zu Mensch verschieden ist?

InkontinenzformenInkontinenz, oder umgangssprachlich auch Blasenschwäche, stellt für Betroffene eine enorme Alltagsbelastung dar. Noch immer handelt es sich um ein Tabu-Thema. Der unkontrollierte Urin- oder auch Stuhlverlust wird, so gut es geht, vor der Umwelt geheim gehalten. Dieses peinlich berührte Verhalten ist völlig fehl am Platz, denn Sie sind mit dem Problem nicht allein.

In manchen Fällen beginnt die Inkontinenz schlagartig, andere merken den schleichenden Fortschritt erst ziemlich spät. Um Klarheit über die Ursache zu bekommen, muss man die verschiedenen Formen der Inkontinenz kennen.

1. Belastungsinkontinenz oder Stressinkontinenz

Belastungsinkontinenz ist die häufigste Inkontinenzform bei Frauen. Die frühere Bezeichnung für diese Form des ungewollten Urinverlustes ist Stressinkontinenz. Wie es beide Bezeichnungen bereits ausdrücken, ist der Körper einer gewissen Belastung ausgesetzt, die dann zum ungewollten Wasserlassen führt. Der Mediziner spricht von einem erhöhten Abdominaldruck. Dieser Druck entsteht bei Anstrengung, wie Husten, Niesen oder Lachen. Aber auch abrupte Körperbewegungen (Springen, schnelles Aufstehen oder Bücken), können die Belastungsinkontinenz auslösen. Die Grüne Apotheke empfiehlt zum Schutz Inkontinenzeinlagen, die es in verschiedenen Stärken gibt. Das Tragegefühl ähnelt dem einer Menstruationsbinde.

➥ Belastungsinkontinenz vorbeugen

Hauptursache für diese Form der Inkontinenz ist ein geschwächter Beckenboden. Junge Frauen haben damit nach der Schwangerschaft zu kämpfen, bei älteren Damen zeigen sich die Auswirkungen in den Wechseljahren.


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2. Dranginkontinenz

Bei der Dranginkontinenz stellt sich ein plötzlicher und sehr starker Harndrang ein. Das heißt, der Betroffene hat das Gefühl, sofort zur Toilette zu müssen. Anders als bei gesunden Menschen, lässt sich dieser Drang auch nicht unterdrücken. Es kommt zum unkontrollierten Urinabgang. Ursache ist eine überempfindliche Blase, die sich anfühlt als wäre sie voll. Die Folge sind mehrmalige Toilettengänge tagsüber und häufiger Harndrang in der Nacht.

Die Dranginkontinenz wird in zwei Formen unterschieden:

  • Sensorische Dranginkontinenz
    Hier muss man sich das in etwa so vorstellen, dass die empfindlichen Nerven in der Blase, also die Sensoren, dem Körper / Menschen signalisieren, die Blase ist voll. Dies geschieht auch dann, wenn die Harnblase nur halb gefüllt ist.
  • Motorische Dranginkontinenz
    Bei der motorischen Dranginkontinenz tritt der ungewollte Urinverlust durch eine Art Muskelstörung ein. Der Musculus detrusor vesicae ist der Muskel, mit dem wir die Kontraktion der Harnblase steuern. Auslöser für die Dranginkontinenz sind häufig Krankheiten wie Alzheimer, Morbus Parkinson aber auch Tumore im Gehirn.
Besondere Inkontinenzform
Treten Belastungs- und Dranginkontinenz gleichzeitig auf, spricht man von einer Mischinkontinenz.

3. Überlaufinkontinenz

Die Überlaufinkontinenz kommt häufig bei Männern vor. Grund ist eine Vergrößerung der Prostata. Die Blase wird beim Wasserlassen nicht vollständig entleert, der Resturin geht unkontrolliert und Tröpfchenweise in die Hose. Durch die vergrößerte Prostata kann sich die Harnblase nicht vollständig entleeren. Eine Operation kann das Problem lösen. Ein weiterer Auslöser für Überlaufinkontinenz ist eine überdehnte Blasenmuskulatur. Dadurch kann die Blase nicht wie gewohnt gedehnt und zusammen gezogen werden. In den meisten Fällen reicht eine Behandlung mit Medikamenten.


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4. Reflexininkontinenz

Unter normalen Umständen gibt die Blase einen Impuls an das Gehirn und signalisiert somit, dass wir zur Toilette müssen. Bei manchen Menschen funktioniert diese Signalübertragung nicht mehr, es kommt zum unkontrollierten Wasserlassen, einer Reflexinkontinenz. Häufige Ursache sind Rückenmarks- und Nervenkrankheiten. Besonders betroffen sind daher Demenzkranke und Multiple Sklerose Patienten.

  • spinale Reflexinkontinenz
    Nervenbahnen in Rückenmarksnähe sind verletzt, es besteht keine Verbindung zum Gehirn und somit auch kein Signal zum Wasserlassen.
  • supraspinale Reflexinkontinenz
    Patient hat die Kontrolle über den Harndrang aufgrund neurologischer Ausfälle (Schlaganfall, Alzheimer) verloren.

5. Extraurethrale Inkontinenz

Von einer extraurethralen Inkontinenz spricht man bei erwachsenen Frauen dann, wenn sich zwischen den Geschlechtsorganen und den ableitenden Harnwegen Fisteln bilden. Auslöser für die Bildung der Fisteln sind meist Operationen, Entbindungen aber auch Bestrahlungen im Rahmen einer Krebstherapie. Der Abgang des Urins erfolgt nicht auf üblichem Wege über den Schließmuskel, sondern über die Fistel. Diese körperliche Fehlbildung kann durch einen chirurgischen Eingriff behoben werden.

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